Chai-oder so
Masala Chai – was echter Chai wirklich ist (und was nicht)
Wenn Menschen bei mir in der Teedose nach Chai fragen, meinen sie oft sehr unterschiedliche Dinge.
Die einen denken an ein süßes, cremiges Getränk aus dem Coffee Shop.
Die anderen an einen stark gewürzten Schwarztee, der nach Winter riecht.
Und dann gibt es Masala Chai – den Ursprung von allem.
Masala Chai ist kein Trend, kein Lifestyle-Getränk und kein neues Produkt.
Er ist Alltag.
In Indien wird Chai nicht aufgegossen, sondern gekocht. Jeden Tag. Überall.
Was Masala Chai eigentlich bedeutet
„Chai“ heißt schlicht Tee.
„Masala“ bedeutet Gewürzmischung.
Masala Chai ist also nichts anderes als Tee mit Gewürzen, traditionell zubereitet mit Wasser, Milch und Zucker.
Nicht fancy, nicht kompliziert, sondern bodenständig.
Typische Zutaten sind:
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Schwarzer Tee
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Ingwer
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Kardamom
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Zimt
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Nelken
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manchmal Pfeffer oder Fenchel
Welche Gewürze verwendet werden, unterscheidet sich von Familie zu Familie.
Es gibt kein festes Rezept. Jeder macht ihn ein bisschen anders.
Und genau das macht Masala Chai so ehrlich.
Warum Masala Chai gekocht wird
Der größte Unterschied zu dem, was wir hier oft als Chai kennen, liegt in der Zubereitung.
Masala Chai wird gekocht, nicht aufgegossen.
Zuerst Wasser mit den Gewürzen.
Dann schwarzer Tee.
Dann Milch.
Am Schluss Zucker.
Alles zusammen köchelt ein paar Minuten.
Das Ergebnis ist kräftig, rund, warm und sehr präsent.
Durch das Kochen verbinden sich Tee, Milch und Gewürze zu etwas Einheitlichem.
Nichts steht im Vordergrund.
Alles greift ineinander.
Das ist auch der Grund, warum Masala Chai nicht leicht oder fein sein will.
Er ist satt, wärmend und ein bisschen laut.
Was Masala Chai nicht ist
Masala Chai ist kein Chai Latte.
Ein Chai Latte basiert meist auf Sirup oder Pulver, das mit heißer Milch aufgegossen wird.
Das kann schmecken, hat aber mit dem Original wenig zu tun.
Masala Chai braucht Zeit.
Er ist kein Getränk für nebenbei.
Man setzt ihn auf, wartet, rührt, riecht, probiert.
Viele, die ihn zum ersten Mal richtig trinken, sind überrascht:
Er ist nicht extrem süß.
Nicht scharf.
Nicht künstlich.
Er schmeckt warm, würzig und irgendwie vertraut, auch wenn man ihn vorher nie getrunken hat.
Warum Masala Chai gerade im Winter so gut passt
Masala Chai ist kein Tee für heiße Sommertage.
Er gehört in die kalte Jahreszeit, wenn man von draußen reinkommt, kalte Hände hat und kurz durchatmen will.
Die Gewürze geben Tiefe, der Schwarztee Kraft, die Milch Ruhe.
Er wärmt nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf.
Im Laden merke ich oft, dass Menschen beim Duft von Chai langsamer werden.
Sie bleiben stehen.
Atmen ein.
Und fragen dann nicht nach Inhaltsstoffen, sondern sagen einfach:
„Der riecht gut.“
Das reicht manchmal schon.
Wie ich Masala Chai sehe
Masala Chai ist für mich kein Tee, den man analysieren muss.
Er ist ein Erlebnis.
Ich empfehle ihn gern Menschen, die:
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etwas Wärmendes suchen
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Kaffee reduzieren wollen
-
abends nicht noch einen harten Schwarztee trinken möchten
-
Lust auf Gewürze haben, ohne gleich Glühwein zu trinken
Und ich sage auch immer dazu:
Masala Chai muss man mögen.
Er ist nichts für Puristen, die Tee immer klar und ungesüßt trinken wollen.
Aber wenn er passt, dann passt er richtig.
Mein Fazit
Masala Chai ist kein Produkt, das man schnell erklären kann.
Er ist Kultur, Alltag und Gewohnheit in einem.
Er will gekocht werden, nicht perfektioniert.
Getrunken, nicht bewertet.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum er gerade jetzt so gut tut.
In einer Zeit, in der alles schnell, effizient und optimiert sein muss,
ist Masala Chai einfach nur das, was er ist.
Warm. Würzig. Echt.