Wenn Tee Alltag wird...

Wenn Tee Alltag wird...

Wenn ich früh am Morgen in der Teedose stehe, zuhöre wie das Wasser im Wasserkocher laut aufkocht, denke ich mir: Das hier ist mein Rhythmus. Kein Tag gleicht dem anderen, und doch ist jeder Tag irgendwie gleich. Tee, Gespräche, Düfte, Geschichten. Zwischen all dem Gewusel ist genau das mein Alltag, und ehrlich gesagt, ich liebe ihn.

Wenn ich morgens in Klagenfurt den Schlüssel unserer Teedose umdrehe, riecht es schon nach Tee. Irgendwo zwischen Assam, Apfel-Zimt und Pfefferminze hängt dieser Duft, den ich inzwischen blind erkenne. Und kaum ist die Tür offen, beginnt das, was ich an meinem Job so mag: die kleinen Begegnungen, die niemand plant, die aber den Tag lebendig machen.

Geschichten, die der Alltag schreibt

Da ist zum Beispiel die ältere Dame, die jedes Monat denselben Tee will, aber nie weiß, wie er heißt. Sie beschreibt ihn immer gleich: „Den, den ich letztes mal hatte, dessen Name so schwierig auszusprechen ist, Sie wissen schon!“- Fordert sie mich auf. Anfangs sind wir jedes mal auf die Suche gegangen. Heute weiß ich genau, wenn sie zur Tür reinkommt, greife ich schon zur richtigen Dose. 

Oder der Kunde, der zum ersten Mal losen Tee probieren wollte. Anfangs skeptisch: „Ich hab daheim eh nur Beutel.“ Zwei Wochen später stand er wieder vor mir, grinste und meinte: „Also... ich glaub, das mit den Beuteln hat sich erledigt.“ Solche Momente machen mir jedes Mal Freude, weil man merkt, wie sich bei jemandem eine neue kleine Welt öffnet.

Dann gibt’s die Leute, die einfach hereinschneien, weil’s gut riecht.
„Ich wollte nur kurz reinschauen“, sagen sie, und stehen eine halbe Stunde später immer noch da, mit einer offenen Teedose in der Hand, den Kopf voller Fragen und das Handy schon gezückt, um den Namen zu notieren. Das passiert mindestens einmal die Woche.

Und manchmal sind’s die kleinen Pausen zwischendurch. Eine Tasse Tee, während ich Ware auspacke oder Bestellungen schreibe. Ich trinke einen Schluck, schnaufe kurz durch, und denke mir: Ja, das hier fühlt sich richtig an.

Tee und Tempo

Viele verbinden Tee mit Ruhe, Entschleunigung, Achtsamkeit. In der Teedose selbst geht’s oft alles andere als ruhig zu. Es wird gefragt, gelacht, gesucht, beraten. Aber genau das ist das Schöne daran: Die Menschen kommen nicht her, weil sie gestresst sind, sie kommen, um kurz runterzukommen. Und das färbt ab.

Ich merke oft, wie mein eigener Tag langsamer wird, sobald jemand die Tür öffnet und sagt: „Ich brauch was Warmes.“ Dann weiß ich, jetzt ist wieder Zeit zum Betraten und plaudern, nicht nur für den Kunden, sondern auch für mich.

Mein Alltag in einer Tasse

Tee ist für mich längst nicht mehr nur ein Genussmittel. Er ist Alltag. Ein Teil von meinem Rhythmus, wie das Wasserkochen am Morgen oder das Sortieren und auffüllen der Dosen am Abend. Aber genau das mag ich daran.

Für viele ist Tee ein Moment der Ruhe. Für mich ist er das, was den Tag trägt.
Und manchmal, wenn ich spät abends noch im Laden stehe, die Kanne fast leer und der Duft von Tee und all unseren Leckereien in der Luft, dann denke ich mir: Besser kann Alltag eigentlich gar nicht riechen.

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