Wie ich zur Teedose kam – ein Neuanfang, den ich nie geplant hatte
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Grüner Fenchel, Kamille, Pfefferminze und Rose, wenn ich morgens die Tür zur Teedose Klagenfurt öffne, riecht es jedes Mal nach Zuhause.
Und das ist bis heute für mich fast surreal.
Denn vor nicht allzu langer Zeit stand ich noch auf Baustellen, zwischen Lkw und Baumaschinen, und Tee spielte in meinem Leben keine besonders große Rolle.
Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich einmal Teehändler sein würde, ich hätte gelacht. Aber das Leben hat manchmal seine eigene Art, Dinge zu richten, und manchmal muss man ihnen einfach Folgen.
Wie alles begann
Im Frühjahr 2024 stieß ich auf eine Anzeige in der Nachfolgebörse der Wirtschaftskammer:
Ein Teegeschäft in Klagenfurt sucht einen neuen Besitzer.
„Die Teedose.“
Ich kannte den Laden nicht wirklich, aber irgendwas an dieser Anzeige hat mich sofort gepackt.
Vielleicht war es das Wort selbst – Teedose. Es klang ruhig, beständig, irgendwie menschlich.
Ich konnte den Gedanken nicht mehr loslassen.
Noch am selben Abend sprach ich mit meiner damals Verlobten Christina darüber, und schon bald wurde aus dieser spontanen Idee ein ernstes Thema.
Wir beide wussten: Wenn wir es nicht probieren, würden wir uns ewig fragen, was gewesen wäre.
Von der Baustelle in den Teeladen
Ich bin gelernter Baumaschinen- und Lkw-Techniker.
Mein Alltag war laut, körperlich, meist chaotisch, das komplette Gegenteil zu dem, was ich heute mache.
Tee war für mich schon immer wichtig, Interessant und zählte zu zu einer meiner Leidenschaften aber nie in diesem Ausmaß. Heute ist er mein Alltag, mein Beruf, und irgendwie auch mein Ruhepol geworden.
Wir wussten beide nicht, worauf wir uns einlassen. Aber wir hatten Lust, etwas Eigenes zu schaffen, etwas das Handwerk, Begegnung und Qualität verbindet.
Und dann stand ich plötzlich im Laden: umgeben von Holzregalen, Gläsern, Dosen und diesem unbeschreiblichen Duft nach Gewürzen, Kräutern und Blättern aus aller Welt.
Ich erinnere mich genau an diesen Moment.
Ich wusste sofort: Das hier wird mein Platz.
Der Sprung ins kalte Wasser
Der frühere Besitzer, Herr Rabitsch, hatte den Laden jahrzehntelang geführt, konnte ihn aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterführen.
Wir trafen uns, redeten, und nur wenige Wochen später saßen wir beim Notar.
Kurz darauf, mitten im Weihnachtsgeschäft, hatten wir plötzlich die Schlüssel in der Hand.
Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommt.
Wie viele Sorten Tee gibt es eigentlich?
Wie unterscheidet man guten von schlechtem Tee?
Wie bestellt man richtig, wie berät man Menschen, die alles schon kennen?
Also haben wir uns gemeinsam in dieses Abenteuer Gestürzt.
Die ersten Wochen waren wild. Wir haben viel gelernt, uns oft verrannt, manchmal auch einfach improvisiert.
Aber die Stammkundschaft blieb, und das gab uns Kraft. Viele kamen vorbei, nur um zu sagen:
„Schön, dass ihr weitermacht.“
Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass das hier mehr ist als ein Geschäft.
Mehr als nur ein Laden
Die Teedose Klagenfurt ist ein Ort geworden, an dem ich angekommen bin.
Jede Dose im Regal steht für eine Entscheidung, für Arbeit, für Gespräche mit Händlerinnen und Händlern, für Reisen, für Neugier.
Ich kenne mittlerweile die Geschichten hinter den Tees, weiß, wo sie wachsen, wer sie pflückt und was sie besonders macht.
Und trotzdem bleibt alles menschlich.
Ich liebe es, wenn jemand hereinkommt, den Duft einatmet, innehält und einfach sagt:
„Hier riecht’s gut.“
Dann weiß ich, dass wir alles richtig gemacht haben.
Nach vorne schauen
Heute planen wir, den Laden Schritt für Schritt zu modernisieren.
Nicht um alles umzubauen, sondern um ihn in die nächste Generation zu bringen, mit einem funktionierenden Onlineshop, einer digitalen Buchhaltung und neuen Ideen, die trotzdem den alten Charme bewahren.
Aber bei all dem bleibt das Wichtigste gleich:
Tee ist für uns kein Produkt, sondern Begegnung.
Ein ruhiger Moment in einer lauten Welt.
Mein Fazit
Ich habe die Teedose nicht gegründet, aber ich habe sie übernommen, und sie hat im Gegenzug auch mich verändert.
Was als Zufall begann, wurde zu einer Aufgabe, die mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat.
Und jedes Mal, wenn ich früh am Morgen den Wasserkocher einschalte und der Duft von frisch geöffnetem Tee durch den Raum zieht, denke ich:
Genau hier soll ich sein.
1 Kommentar
Total Mutig! Danke fürs mitnehmen in deine Geschichte und für den Einsatz in der Teedose. Es wäre für mich und für viele Bekannte sehr schade gewesen wenn es die Teedose nicht mehr in Klagenfurt gäbe. Es ist eine Freude! Danke!